Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus dem Homeoffice in Zeiten des Social distancing
– Zoom-Meetings als Möglichkeit für gemeinsames Spielen

Auf den ersten Blick schließt sich die Arbeit mit der konkreten Zielgruppe und die Arbeit im Homeoffice aus. Bisher war es maximal denkbar die anfallende Verwaltungsarbeit und die Vor- und Nachbereitung von Aktionen mit Kindern und Jugendlichen aus dem Homeoffice heraus zu erledigen. Aber ein regelmäßiges Angebot, das sowohl für die Jugendlichen, als auch für die in der Jugendarbeit tätige Person in den heimischen vier Wänden stattfinden kann, ist noch eher selten. Durch die Corona-Pandemie ist es aber geboten genau in diese Richtung weiter zu denken und Angebote zu schaffen, denn „unsere“ Jugendlichen brauchen uns und ein wenig Stabilität genau jetzt.
Aus diesen Überlegungen heraus entstand die Idee, eigentlich analoge Spiele mit Hilfe der uns zur Verfügung stehenden Mittel ins Digitale mitzunehmen, um so eine Möglichkeit zu bieten, auch in dieser Zeit miteinander in Kontakt zu stehen.

Bisher wurden die Spiele „Exit“ und „Werwölfe von Düsterwald“ getestet. Weitere Spiele werden nach und nach dazu kommen.

Meine Erfahrungen damit möchte ich an dieser Stelle mit allen Interessierten teilen – Nachmachen erwünscht! In den ersten Abschnitten gehe ich auf Grundlegendes zu dem verwendeten Tool „Zoom“, den Exit-Spielen und im Weiteren zum Spiel „Werwölfe von Düsterwald“ ein, diese Erklärungen richten sich an Menschen, die diese Dinge nicht kennen. Wer also z.B. schon einmal mit Zoom gearbeitet hat, kann diesen Abschnitt überspringen.

Welches Tool wurde benutzt und wie funktioniert es?

Bei beiden Spielen fand die gemeinsame Kommunikation über ein Zoom-Meeting statt. Sicherlich geht das aber auch mit anderen Lösungen für Videokonferenzen.
Bei Zoom handelt es sich um ein Tool, welches es ermöglicht mit mehreren Menschen gleichzeitig per Web-Cam in einem virtuellen Konferenz-Raum zu sein. Für die Jugendarbeit ist dieses Tool besonders geeignet, da eine Teilnahme an einem Meeting auch über das Handy möglich ist. Die Teilnehmenden brauchen selbst keinen Account, müssen aber die App installieren. Für den Spielleitenden hat sich eine bezahlte Zoom-Lizenz als hilfreich herausgestellt, da diese die Möglichkeit bietet, Meetings über 40 Minuten anzubieten. Wer das alles aber erst einmal testen möchte, kann dies auch mit der Basic-Version tun, das Meeting kann nachdem es nach 40 Minuten abbricht sofort wieder aufgenommen werden. Wer mehr über die Funktionsweisen von Zoom erfahren möchte, kann dies u.a. bei der Erwachsenenbildung der EKHN, im Blog des Fachbereichs Erwachsenenbildung gibt es u.a. ein Webinar, das sich mit den grundlegenden Funktionen von Zoom beschäftigt: https://erwachsenenbildung-ekhn.blog/grundlagen-von-zoom-videokonferenz-edutalk-aufzeichnung/

Grundlegende Erklärung zu den Exit-Spielen

Die Exit-Spiele gibt es u.a. im Kosmos-Verlag. Sie beruhen auf der Idee der Exit-Rooms, die es seit ein paar Jahren mehr und mehr gibt. Es geht darum zusammen mehrere Rätsel zu lösen, die einem dann schließlich das Entkommen aus der Situation bzw. dem Raum, in dem man eingesperrt ist, ermöglichen. Es gibt die Spiele in verschiedenen Schwierigkeitsgraden von Einsteiger, über Fortgeschrittene hin zu Profis. 

Die Angaben über das empfohlene Mindestalter der Spielenden, sowie die Anzahl der Spielenden variieren je nach Ausgabe. Mein Eindruck ist, dass diese Angaben durch die Übertragung in Zoom nicht beeinflusst werden, die angegeben Dauer von 45-90 Minuten haben wir allerdings um eine weitere Stunde überzogen, ob das daran lag, dass sich die Rätsel in diesem Setting schwieriger lösen ließen, oder einfach daran, dass wir mit ein Spiel für Fortgeschrittene spielten, aber es nur eine mitspielende Person gab, die bisher ein solches Spiel gelöst hatte, lässt sich allerdings schwer einschätzen. 
In der Packung befinden sich eine Decodier-Scheibe, ein Heft/Büchlein, je nach Packung zusätzliche Teile aus Pappe, Rätsel-Karten, Lösungs-Karten und Hilfe-Karten. Die Rätsel-Karten enthalten Teile der Rätsel, die es zu lösen gilt, die Lösungs-Karten sind so etwas wie die Wegweiser, wenn eine Lösung stimmt enthalten sie Hinweise darauf, welche Rätsel(-Karten) als nächstes genutzt werden, falls man nicht die richtige Lösung gefunden hat, erfährt man das auch über diese Karten. Die Hilfe-Karten kommen immer dann zum Einsatz, wenn man in einem Rätsel aus eigener Kraft nicht mehr weiterkommt. Am besten liest man vorher die Anleitung einmal durch, um zu verstehen, welche Teile wann zum Einsatz kommen.

Wichtig ist zu wissen, dass die Spiele darauf ausgelegt sind, dass man sie nur einmal spielen kann. Nicht nur, weil man danach sowieso alle Rätsel kennt, sondern auch, da Material, das in der Spielepackung enthalten ist, z.B. beschriftet und zerschnitten werden muss. D.h. für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, dass man nach Anschaffung eines Spiels, dies nicht nacheinander mit mehreren Gruppen spielen kann.

Die Vorbereitung

Im Vorfeld habe ich das vorhandene Begleitheft mit den Rätsel-Räumen eingescannt und am Anfang des Spieles an alle Mitspielenden als Datei gesendet, dadurch konnten alle die Details im Heft erkennen. Wichtig war, dass auch der vermeintliche Umschlag des Heftes eingescannt sein sollte, in unserem Spiel, stellte sich dieser als Teil der Lösung heraus. Die Lösungs- und Rätsel-Karten habe ich immer in die Kamera gehalten bzw. abfotografiert und den Teilnehmenden als Datei geschickt, das würde ich beim nächsten Mal anders machen und mindestens auch die Rätsel-Karten im Voraus einscannen und den Teilnehmenden immer dann schicken, wenn die entsprechende Karte dran ist. Das von mir gewählte Vorgehen hatte allerdings den Vorteil, dass ich selbst miträtseln konnte, soweit mir das neben der erforderlichen Koordination möglich war.

Die Teilnehmenden bekamen eine Einladung zum Zoom-Meeitng über unsere Messenger-Gruppe und haben im Vorfeld die App bzw. den Client installiert.

Auf dem Stativ war mein Handy befestigt, im Spiel habe ich das Handy als Kamera genutzt und diese über die Bildschirmfreigabe den Teilnehmenden das Bild freigegeben. Über die Kamera konnten die Teilnehmenden immer alle grade benötigten Teile sehen und haben mir Anweisungen gegeben, wenn z.B. etwas gezeichnet oder ausgeschnitten werden musste. 

Im ersten Aufbau hatte ich die Kamera neben an die kurze Seite meines Schreibtischs gestellt und selbst an der langen gesessen, das erwies sich aber insofern als wenig praktikabel, da ich die Teile, wenn ich sie in die Kamera hielt entsprechend drehen musste. Evtl. kann es sinnvoll sein sich mit Kreppband o.ä. den Ausschnitt auf dem Tisch abzukleben, der von der Kamera (ohne Zoom) eingefangen wird, damit man leichter abschätzen kann, was die Teilnehmenden gerade sehen. Auf dem Tisch habe ich neben dem Kamera-Sichtbereich die Kartenstapel usw. gemäß der Anleitung des Spiels aufgebaut. Daneben war mein Laptop aufgebaut, ich habe hier mit der eingebauten Kamera und meinem Headset (einem einfachen Bluetooth-Kopfhörer mit eingebautem Mikrophon, da die „richtigen“ Headsets momentan nur zu horrenden Preisen angeboten werden) am Meeting teilgenommen. Die Teilnehmenden haben zum Teil mit eingeschalteter Kamera, zum Teil ohne teilgenommen, beides war für dieses Spiel in Ordnung. 

Der Ablauf

Da niemand von den Teilnehmenden größere Erfahrung mit einem solchen Spiel hatte, haben wir die Anleitung zu Beginn des Spiels gemeinsam gelesen, d.h. ich habe die Anleitung in die Kamera gehalten und vorgelesen. Dieser sind wir dann für das Spiel gefolgt.
Teile denen wir gerade unsere besondere Aufmerksamkeit widmeten, hielt ich in die Kamera bzw. zoomte ich ran, Karten las ich zusätzlich vor bzw. wenn sie viele Details enthielten, fotografierte ich sie ab. Wie weiter oben geschrieben, würde ich zumindest die Rätsel-Karten beim nächsten Mal auch vorher einscannen und dann an den entsprechenden Stellen während des Spiels als Datei an die Teilnehmenden verteilen.
Ab dem Moment, in dem man im Spiel den Timer anstellt bis zu Lösung des Rätsels haben wir 2,5 Stunden benötigt und auch ein paar Lösungs-Karten waren zur Lösung nötig. Damit haben wir eine Stunde länger gebraucht, als von den Spieleentwicklern maximal veranschlagt. Einen Teil dieser Stunde rechne ich auf jeden Fall der Tatsache zu, dass uns viele Rätsel echt schwergefallen sind und wir oft länger rumprobiert haben und zum Teil sehr abwegige Spuren verfolgten und erst dann eine Hilfe-Karte zogen. Den Rest schreibe ich der technischen Umsetzung zu, die es zum Teil umständlicher machte, als das eben in einem persönlichen Treffen im Rahmen des Jugendtreffs gewesen wäre.

Fazit zum Exit Spiel per Zoom-Meeting

Das Spiel ist natürlich darauf ausgelegt, dass sich alle Teilnehmende physisch in einem Raum befinden, aber insgesamt ist die Umsetzung in einer Video-Konferenz gelungen. Diese führte dazu, dass das Spiel in Teilen etwas umständlicher war, als sonst und auf jeden Fall auch dazu, dass das Spiel länger als eigentlich gedacht dauerte. Die Jugendlichen hatten aber trotzdem Spaß und blieben begeistert dabei. In meinem Fall habe ich mit Konfi-Teamer*innen gespielt, diese sind sicherlich eher geduldiger, aber ich kann mir die Umsetzung auch mit einer Gruppe motivierter Jugendlicher vorstellen, allerdings war eine Teilnahme per Laptop/PC bzw. einem größeren Bildschirm auf dem man die Fotos, Scans und das Meeting gleichzeitig angucken kann praktikabler.

Ich denke diese Spielvariante ist eine geeignete in der derzeitigen Situation des Social Distancing und ich kann sie mir darüber hinaus in ggf. in einer Mischform gut vorstellen, wenn z.B. einzelne Mitglieder einer Jugendgruppe in einem längeren Auslandaufenthalt sind oder durch andere Gründe zeitweise nicht physisch an den Treffen teilnehmen können (Krankenhausaufenthalte o-ä.) oder als Form für Jugendgruppen, die durch eine Auslands-Partnerschaft miteinander verbunden sind, um in Kontakt zu sein, sofern das in diesem Fall nicht durch sprachlicher Barrieren verhindert wird. 

Grundlegende Dinge zum Spiel „Werwölfe von Düsterwald“

Dieses Spiel ist wahrscheinlich aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kaum mehr wegzudenken. Mancherorts ist es vielleicht als „Mord im Dunkeln“ bekannt. Es geht in dem Spiel um das Dorf Düsterwald, in diesem treiben nachts Werwölfe ihr Unwesen und bringen die Dorfbewohner um. Tagsüber beraten die Dorfbewohner untereinander, wer von ihnen einer der Werwölfe sein könnte und bringen diesen dann um. Dazu gibt es noch unendlich viele zusätzliche Rollen wie „die Hexe“, „Das Blinzelmädchen“, „Armor“ etc. Je nachdem, ob am Ende die Dorfbewohner oder die Werwölfe überleben, gewinnt dieser Teil der Gruppe.

Die Vorbereitung

Die Vorbereitung war in diesem Fall weit weniger aufwändig, als beim Spiel Exit. Ich habe die Karten des Spiels bereitgehalten und den Link für das Meeting verschickt. Eine weitere Kamera war nicht nötig.

Der Ablauf

Nachdem alle Teilnehmenden im Meeting eingewählt waren, haben wir in diesem Fall zusammen beraten, welche Rollen wir mit ins Spiel nehmen wollen, eine Proberund mit möglichst wenig Sonderrollen ergab, dass ein paar Teilnehmende mehr, das Spiel interessanter machen würden, da in der Proberunde das Spiel schon nach der zweiten Nacht klar entschieden war. Wir haben also Sonderrollen ins Spiel genommen, die dafür sorgten, dass nicht so viele Opfer zu beklagen waren.

Wie bei dem Spiel üblich, konnte ich als Spielleitung nicht mitspielen, sondern war als Koordinatorin gefragt.

Die Spielkarten selbst waren an sich nicht nötig, ich habe lediglich am Anfang einer Runde damit die Rollen ausgelost, das hätte ich aber genauso gut mit kleinen Zetteln oder einem anderen Zufallsprinzip machen können.

Um den Überblick zu behalten, habe ich mir auf einem Zetteln aufgeschrieben, wer gerade welche Rolle hat, so kam ich auch nicht mit den Sonderfällen, wie z.B. den Tränken der Hexe durcheinander. Dadurch lässt sich die Spielleitung allerdings auch an Jugendliche abgeben. 

Die ausgelosten Rollen erfahren die Spieler normalerweise dadurch, dass die Karten ausgeteilt werden und sich die Teilnehmenden diese angucken und danach umgedreht vor sich hinlegen, damit die Spielleitung an diese Karten dran kommt, da es im Verlauf zu Situationen kommt, in denen anderen Mitspielenden Identitäten offenbart werden. Ich habe das so umgesetzt, dass ich den Teilnehmenden im Privaten Chat (Zoom bietet diese Möglichkeit) ihre Rollen mitgeteilt habe bzw. eben dann die zu offenbarenden Rollen im Spiel. Wichtig ist auch, dass man den Werwölfen mitteilt, wer auch Werwolf ist, denn der Teil, dass die Werwölfe aufwachen und sich ansehen, ist in der Videokonferenz nicht so umsetzbar. In den „Nächten“ haben sich alle Teilnehmende, bis auf mich als Spielleitung stumm geschaltet und zusätzlich auch die Kameras deaktiviert. Das Stummschalten war nötig, da Zoom sonst die Geräusche, die z.B. beim Tippen entstehen, wenn sich die Werwölfe absprechen wahrnimmt und sichtbar macht (in der Galerieansicht durch einen Rahmen um den jeweiligen Teilnehmenden). Ob das Deaktivieren der Kameras unbedingt nötig war, oder ob nicht auch, wie sonst in diesem Spiel üblich, das Schließen der Augen gereicht hätte, bleibt jedem in der Umsetzung selbst überlassen. Durch das Deaktivieren war die Rolle des blinzelnden Mädchens allerdings hinfällig, es wäre also einen Versuch wert, ob das mit aktivierten Kameras umsetzbar ist.

Die Werwölfe haben sich untereinander per Privatchat ausgetauscht und mir in einer privaten Nachricht, wie alle anderen Rollen auch, ihre Entscheidungen mitgeteilt. Meine Ansagen habe ich an dem gewohnten Spielablauf angelehnt, also auch angesagt, wann welche Rollen aktiv wurden, das war meiner Meinung nach gut als Orientierung für die Teilnehmenden, denn sonst hätten sie zum Teil sehr lange nur mich beim Tippen beobachten können und sonst keinerlei Aktion wahrnehmen können.

Fazit zum Spiel Werwölfe per Zoom-Meeting

Auch dieses Spiel ist an sich darauf ausgelegt, dass die Teilnehmenden sich physisch in einem Raum befinden, aber die Übertragung in ein Zoom-Meeting war problemlos möglich, es brauchte nur ein paar Ideen zur Umsetzung bestimmter Spielsituationen („das Dorf schläft, die Werwölfe erwachen“). Dadurch bietet es in der derzeitigen Situation eine schöne Möglichkeit in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder eben darüber hinaus, wenn nicht alle Mitspielenden in einem Raum sein können.

Kann man noch andere Spiele auf diese Weise der aktellen Situation anpassen?
Ich denke, dass es einige analoge Spiele gibt, die sich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in diese Spielform verlagern lassen.Ich werde in dieser Zeit auf jeden Fall noch „Black Stories“ testen, denn, diese und jede der Spielvarianten (wie z.B. pink Stories) funktionieren wahrscheinlich sogar ohne weitere Einschränkungen, wenn die Anleitung der Geschichten nicht bei demjenigen, der das Spiel da hat, alleine liegen soll, muss man hier sicherlich mit Fotos der Karten, die man als Private Nachricht verschickt, arbeiten. Insgesamt ist dieses Spiel auch ganz ohne eingeschaltete Webcams denkbar. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es zumindest aktuell ein Bedürfnis gibt, sich wenigstens über den Bildschirm zu sehen, weshalb ich bei allen Spielen derzeit mindestens meine Kamera anlasse und die Jugendlichen die Entscheidung für sich treffen lasse.

Weitere Infos und Fragen gerne an:



Alexandra Scheffel
Gemeindepädagogin

Tel. 06136 92696-35
alexandra.scheffel@ekhn.de